IG LützowerFreikorps 1813 e.V.

Die Jägertruppe (Allgemein)

Die Jägertruppe hatte den Auftrag, der eigenen Armee voraus aufzuklären und im gezielten Schuss vor allem Offiziere, aber auch Kanoniere gefechtsunfähig zu machen und so die Gefechtskraft gegnerischer Armeen herabzusetzen. Dazu wurde der Drill der für die Linientruppen  galt, weniger streng angewendet. Bei den Jägern stand nicht das möglichst automatisierte Ausführen von Schiess- und Ladeabläufen in dichter Formation  und ein Aufmarschieren in geschlossener Gefechtskolonne im Mittelpunkt, sondern das selbständige Ausnutzen des Geländes und der gezielte Schuss auf ausgewählte Ziele. Die Jäger sollten in lockerer Aufstellung und kleineren Einheiten operieren, die weniger stark an geschlossenen Formationen gebunden waren, dafür aber insbesondere bewachsenes und durchschnittenes Gelände sowie Deckung  besser ausnutzten. So stand naturgemäss der geziehlte  scharfe Schuss im Vordergrund der Ausbildung und es wurde häufig auf Zielscheiben geübt, was es zu dieser Zeit bei der Infanterie nicht oder kaum gab.

Tiroler Jäger vor dem Gefecht
Lützower und Tiroler Jäger

Jägereinheiten operierten vergleichsweise unabhängig, da sie unmittelbar einem höheren Befehlshaber unterstellt waren. Entscheidungen wurden durch das aufgelöste Gefecht auf die untere Führungsebene und kleine Jägertrupps verlagert. Der einzelne Jäger sollte im Gegensatz zur Linientruppe, bei deren Kampf es vor allem darum ging, den Gegner aus der dichten Formation mit einem weitgehend ungezielten Kugelhagel einzudecken, in der Lage sein, selbstständig Ziele anzuvisieren und mit einem gezielten Schuss zu treffen. Dieser neuartige Ansatz eines selbständig kämpfenden Soldaten manifestierte sich auch in einem ganz anderen Verhältnis der Offiziere zu ihren Jägern.

Wurde der gemeine Soldat in einem Linienregiment als “Hundsfot” abgetan und auch gelegentlich angeredet, war es in der Jägertruppe üblich, sich im damals als Vornehm geltenden Französisch als Monsieur (dt. Herr) anzusprechen.

Dieser Ansatz schlug sich auch in der Ausrüstung nieder. Jäger kämpften mit Büchsen, einem gezogenen Jagdgewehr, die sie in der Anfangszeit selber mitbrachten und die im Gegensatz zu den Musketen  der Infanterie ein genaues Zielen ermöglichten. Jägereinheiten verfügten außerdem über eine weitaus geringere Menge an Ausrüstung, was einerseits den weitgehenden Verzicht auf  Bagagewagen  ermöglichte und damit die Bewegungsfähigkeit in unwegsamen Gelände erhöhte, andererseits Probleme beim Biwak und Versorgung der Truppe  aufwarf.

Jägerbüchse
Jäger mit Gewehr
Freiwilliger Jäger der bayrischen Infanterie

Da sich die frühen Jäger aus Forstleuten  rekrutierten, war ihre Uniform im Gegensatz zur Linieninfanterie grün. Typisch ist, dass die Jäger das Gewehr nicht wie die Infanterie über die rechte Schulter trugen, sondern in der Jägertrageweise unter dem rechten Arm mit dem Gewehrriemen über die Schulter, so dass die Laufmündung nach vorne zeigte. Diese Trageweise erlaubt eine schnellere Schussbereitschaft oder einen Deutschuss auf den überraschend auftauchenden Feind. Diese auch noch heute gebräuchliche Trageweise wird daher auch als Jägertrageweise bezeichnet.

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